
Warum Verifizierung das wichtigste Kriterium ist
Fake-Profile sind kein Randproblem, sie sind das Kernrisiko beim Online-Dating: Sie verschwenden Zeit, verzerren das Bild der Community und sind das Einfallstor für Romance Scams. Deshalb prüfen wir im Test, ob eine App die Echtheit von Profilen aktiv verifiziert oder Prüfungen nur optional anbietet.
Der Unterschied liegt im System. Wo Verifizierung freiwillig ist, bleibt sie oft die Ausnahme, und ein fehlendes Häkchen sagt wenig. Wo sie zum Grundablauf gehört, muss jede gefälschte Identität zuerst an der Prüfung vorbei.
So schneiden die Apps ab
Die großen Apps Tinder, Bumble und Hinge bieten Foto-Verifizierung an, erzwingen sie aber nicht, dazu kommen Melde- und Blockierfunktionen auf üblichem Niveau. Alle drei erhalten im Test 3 von 5, ebenso Badoo und Dua. Den Unterschied machen dort nicht die Werkzeuge, sondern wie viele Nutzer sie freiwillig verwenden.
Den vorläufigen Bestwert von 5 von 5 vergibt der Test an embla, nach dem angekündigten Verfahren: Ein Selfie soll mit den Profilfotos abgeglichen werden, und jeder Kontakt hängt an einem konkreten Satz oder Foto, nie an einem blinden Like. Wie zuverlässig der Abgleich im Alltag greift, lässt sich erst nach dem Start prüfen, denn die App ist noch nicht im App Store.
Bei Dua kommt eine Besonderheit dazu: In den Store-Bewertungen tauchen Beschwerden über Fake-Accounts auffällig oft auf. Prüfmechanismen gibt es, sie filtern nach der Bewertungslage aber zu wenig heraus. Mehr dazu steht in unserem Ratgeber zu den Erfahrungen mit dua.com.
Freiwillige Verifizierung richtig nutzen
Bei Tinder, Bumble, Hinge und Badoo ist die Foto-Verifizierung ein Angebot, keine Pflicht. Für dich heißt das: Das Häkchen hilft nur, wenn du darauf achtest. Ein verifiziertes Profil hat eine Prüfung bestanden, ein unverifiziertes ist deshalb noch keine Fälschung.
Verifiziere dich selbst, bevor du andere danach fragst. Dann kannst du ohne Misstrauen schreiben: ‚Ich bin verifiziert, magst du das auch machen?‘ Wer darauf ausweicht, liefert dir eine nützliche Information. Was ein Häkchen im Einzelnen beweist und was nicht, steht im Ratgeber zu Dating-Apps für Frauen.
Sieh außerdem in den Einstellungen nach, ob deine App erlaubt, nur verifizierte Profile anzuzeigen oder Nachrichten nur von ihnen zu bekommen. Wo es diese Möglichkeit gibt, lohnt sie sich, auch wenn die Auswahl dadurch kleiner wird. Weniger Profile, die echt sind, bringen dir mehr als viele, bei denen du zweifelst.
Melden, blockieren, Beweise sichern
Alle Apps im Test haben Melde- und Blockierfunktionen. Die Reihenfolge ist wichtig: erst sichern, dann melden, dann blockieren. Bei vielen Apps verschwindet der Chatverlauf, sobald du ein Match auflöst, und damit alles, was du später als Beleg bräuchtest.
Mach deshalb vor dem Blockieren Bildschirmfotos vom Profil und von den Nachrichten, die dich beunruhigen. Dann melde das Profil über die Funktion in der App und wähle den Grund so genau wie möglich. Eine Rückmeldung, was mit deiner Meldung passiert, bekommst du meist nicht, sie fließt aber in die Prüfung des Profils ein.
Fühlst du dich bedroht oder wirst du erpresst, ist die App nicht die richtige Stelle, sondern die Polizei. Die gesicherten Bildschirmfotos helfen dann auch dort. Lösch in dieser Lage nichts, auch wenn der erste Impuls genau das ist.
Datenschutz im Test
Beim Datenschutz zeigt sich ein ähnliches Bild: Badoo und Tinder schneiden mit 2 von 5 am schwächsten ab, unter anderem wegen umfangreicher Datennutzung im Konzernverbund. Bumble, Hinge und Dua liegen bei 3 von 5. embla steht vorläufig bei 4 von 5, gemessen am angekündigten Konzept.
Datenschutz und Sicherheit hängen enger zusammen, als es scheint. Je mehr eine App über dich weiß, desto mehr steht auf dem Spiel, wenn ein Konto übernommen wird oder Daten in falsche Hände geraten. Welche Daten die Apps im Einzelnen erheben und was du selbst einschränken kannst, steht in unserem Datenschutz-Vergleich.
Was nicht ins Profil gehört
Grundregel unabhängig von der App: so wenig wie möglich preisgeben, was sich maschinell auswerten lässt. Nachname, Wohnadresse, Arbeitgeber und feste Alltagsroutinen gehören nicht ins Profil, egal wie gut die App abschneidet. Auch der Name deines Fitnessstudios oder ein Foto vor der eigenen Haustür verrät mehr, als du denkst.
Verwende außerdem keine Fotos, die auch auf deinen öffentlichen Social-Media-Konten stehen. Über eine Bildersuche lässt sich sonst dein Konto finden und damit dein voller Name. Worauf du bei der Auswahl der Bilder sonst noch achten solltest, erklärt der Ratgeber zum Profilfoto.
Diskretion in einer kleinen Community
Wer in der albanischen Community sucht, sucht in einem Kreis, in dem sich viele kennen. Ein Profil kann von der Cousine, dem Kollegen oder der Nachbarin der Eltern gesehen werden. Das ist kein Grund, nicht zu suchen, aber ein Grund, bewusst zu entscheiden, was du zeigst.
Manche Apps bieten Modi, in denen dich nur sieht, wen du selbst geliked hast, meist als Teil des Abos. Ohne einen solchen Modus helfen Fotos, die dich zeigen, aber keine erkennbaren Orte, und Angaben zu Familie und Herkunft, die im Gespräch wachsen statt im Profil zu stehen. Und ein Bildschirmfoto aus einem Chat gehört nicht in eine Gruppe, auch wenn es nur zum Lachen gedacht ist.
Sicherheits-Checkliste für das erste Treffen
Diese sechs Punkte gehst du vor jedem ersten Treffen in einer Minute durch.
1. Vorher kurz per Video sprechen. Das zeigt dir, ob die Person zu ihren Fotos passt, und erspart endloses Chatten.
2. Das erste Treffen findet an einem öffentlichen Ort statt, etwa in einem Café, in dem viel los ist.
3. Eine Vertrauensperson bekommt Namen und Profilbild deiner Verabredung, dazu Ort und Uhrzeit.
4. Du kommst selbst hin und fährst selbst wieder, dann bist du von niemandem abhängig.
5. Du schickst niemals Geld, egal wie plausibel die Geschichte klingt. Das ist das eindeutigste Betrugssignal überhaupt, weitere Muster stehen im Ratgeber ‚Romance Scam erkennen‘.
6. Nach dem Treffen sagst du deiner Vertrauensperson kurz, dass du gut angekommen bist. Das kostet eine Nachricht, und nach dem zweiten Mal ist es Routine.