
So verdienen Dating-Apps ihr Geld
Das Grundmuster ist bei fast allen Apps gleich: Die Nutzung ist gratis, aber zentrale Funktionen liegen im Abo, meist in zwei bis drei Stufen. Dazu kommen Einzelkäufe wie Boosts, Super-Likes oder das kurzzeitige Hervorheben des eigenen Profils.
Im Test bewerten wir nicht nur die Preishöhe, sondern die Fairness des Modells: Was bleibt gratis, wie transparent sind die Preise, und drängt die App zum Kauf? Ein teures Abo kann fair sein, wenn ohne Abo genug bleibt, und ein günstiges unfair, wenn die App ohne Abo kaum nutzbar ist. Deshalb sagt der Preis allein im Test wenig.
Die Abo-Stufen der Apps im Überblick
Tinder verkauft drei Stufen, die aufeinander aufbauen: Tinder Plus, Tinder Gold und Tinder Platinum. Bumble verkauft sein Abo unter anderem als Bumble Premium. Hinge hat Hinge+ und darüber HingeX. Badoo kombiniert Badoo Premium mit einem eigenen Guthaben, den Credits.
Dua verkauft ein Premium-Abo, ohne das verlässlicher Kontakt kaum möglich ist. embla kündigt ein einziges Abo an, embla+, für 8,99 € im Monat, günstiger bei drei oder sechs Monaten Laufzeit, dazu einen Tagespass für 1,99 €.
Preise der anderen Apps nennen wir bewusst nicht. Sie ändern sich häufig und unterscheiden sich je nach Land, Laufzeit und Angebot, jede Zahl hier wäre in wenigen Wochen falsch. Maßgeblich ist die Angabe im App Store oder bei Google Play zum Zeitpunkt deines Kaufs.
Versteckte Kosten und Preisdynamik
Der wichtigste versteckte Kostenfaktor ist die dynamische Preisgestaltung: Dieselbe App kann je nach Alter, Region und Gerät unterschiedliche Preise anzeigen. Tinder ist dafür der bekannteste Fall und erhält im Test deshalb nur 2 von 5 bei der Kostenfairness, genau wie Badoo.
Zweiter Klassiker: automatisch verlängernde Abos in Kombination mit kurzen Pässen, deren Preis auf den ersten Blick klein wirkt. Rechne einen Wochenpreis immer auf einen Monat hoch, bevor du vergleichst. Erst dann siehst du, was du tatsächlich zahlst.
Laufzeit: warum der Monatspreis täuscht
Fast jede App zeigt bei längeren Laufzeiten einen niedrigeren Monatspreis. Bezahlt wird aber meist der ganze Zeitraum im Voraus. Wer nach sechs Wochen jemanden kennenlernt, hat für sechs Monate bezahlt und nichts gespart.
Die ehrliche Rechnung lautet deshalb: Wie lange willst du realistisch suchen? Wer zum ersten Mal ein Abo abschließt, fährt mit einem Monat meist besser, auch wenn der Monatspreis höher ist. Längere Laufzeiten lohnen sich erst, wenn du die App schon kennst und weißt, dass sie in deiner Gegend lebt.
Achte auch darauf, wie die Verlängerung läuft. Ein Abo über sechs Monate verlängert sich in der Regel wieder um sechs Monate, nicht um einen. Wie du rechtzeitig aussteigst, steht im Ratgeber zum Kündigen von Dating-App-Abos.
Einzelkäufe: Boosts, Super Likes und Rosen
Neben dem Abo verkaufen die meisten Apps Einzelkäufe. Bei Tinder heißen sie Boost und Super Like, bei Hinge Rosen und Boost, bei Bumble unter anderem SuperSwipe und Spotlight, bei Badoo zahlst du mit Credits. Sie werden oft in Paketen verkauft, und je größer das Paket, desto günstiger wirkt das einzelne Stück.
Genau darin liegt die Falle. Einzelkäufe haben keine Obergrenze, und wer einmal einen Boost probiert hat, kauft leicht den nächsten. Wie solche Käufe deine Sichtbarkeit beeinflussen, erklären wir im Ratgeber zu Dating-App-Algorithmen. Hier zählt die Kostenseite: Ein Abo hat einen festen Preis im Monat, Einzelkäufe nicht.
Ein praktischer Rat: Kauf Einzelkäufe, wenn überhaupt, zuerst einzeln und nicht im großen Paket, solange du nicht weißt, ob sie dir etwas bringen. Ein Paket wirkt pro Stück günstig, ist aber teuer, wenn du die Hälfte nie brauchst oder es dich zum Weiterkaufen verleitet.
Was sich lohnt und was nicht
Am ehesten lohnt sich ein Abo dort, wo es einen klaren Engpass löst: etwa die Übersicht der eigenen Likes bei den großen Apps, wenn man aktiv in einer Region mit viel Auswahl sucht. Bumble und Hinge liegen hier mit je 3 von 5 im fairen Mittelfeld.
Sichtbarkeits-Käufe wie Boosts schneiden im Test am schlechtesten ab: kurzfristiger Effekt, kein nachhaltiger Vorteil, schwer kalkulierbare Kosten. Bei embla gibt es weder Boost noch Spotlight, und ‚Wer dich mag‘ ist gratis. Vorrang lässt sich dort trotzdem kaufen: Das Lauffeuer gibt einem Satz für 3,99 € einen Tag Vorrang im Suchkreis der anderen, ohne Zusage über Sichtungen. Weil ohne Geld mehr bleibt als bei den anderen Apps, steht embla bei der Kostenfairness vorläufig bei 5 von 5, gemessen am angekündigten Modell.
Ein Budget festlegen, bevor die App es tut
Die wirksamste Sparregel kommt vor dem ersten Kauf. Leg fest, wie viel dir die Suche im Monat wert ist, und zwar bevor du die App öffnest. Wer erst im Moment eines Kaufangebots entscheidet, entscheidet unter Druck.
Schreib dir außerdem das Datum jeder Verlängerung in den Kalender und zähle Einzelkäufe zum Budget dazu. Wer sie nicht mitrechnet, unterschätzt leicht, was die Suche wirklich kostet. Mit einem festen Budget lässt sich jede Kaufeinblendung mit einem Satz beantworten: passt oder passt nicht.
Bei embla gibt es nach dem angekündigten Modell ein Abo für 8,99 € im Monat und einen Tagespass für 1,99 €. Wer an einem einzelnen Tag mehr Menschen sehen will, nimmt den Tagespass, wer regelmäßig sucht, das Abo. Daneben stehen drei Einzelkäufe, die sich aufsummieren können: das Lauffeuer ab 3,99 €, Funken-Pakete ab 1,99 € und Wort-Pakete mit zusätzlichen Antwort-Funken ab 1,99 €. Wer sparen will, setzt sich hier dieselbe Obergrenze wie bei jeder anderen App.
Spartipps aus dem Test
Erstens: Abos direkt nach dem Abschluss kündigen, die bezahlte Laufzeit bleibt erhalten, nur die automatische Verlängerung entfällt. Zweitens: Preise auf verschiedenen Wegen vergleichen, im Browser sind Abos teils günstiger als im App Store. Drittens: Erst zwei Wochen gratis testen, ob die App im eigenen Umfeld überhaupt genug aktive Profile hat.
Wer diese drei Regeln befolgt, vermeidet die häufigsten Kostenfallen, unabhängig davon, welche App es am Ende wird. Und wenn eine App dich nach zwei Wochen gratis nicht überzeugt, überzeugt sie dich mit Abo meist auch nicht.